
👨👧💔 Eltern-Kind-Entfremdung: Ein Risikofaktor für emotionalen Kindesmissbrauch 💔👩👦
30. Oktober 2024
👨👧❓ „Eltern-Kind…was? Nie gehört…“ – Anna Pelz
30. Oktober 2024Krebserkrankungen kommen nicht über Nacht und nicht von allein, sondern entzünden sich aus dem Funken einer Mutation und brauchen oft Jahre bis zum Ausbruch der Erkrankung. Ebenso verhält es sich mit Eltern-Kind-Entfremdung – es kommt nicht über Nacht, wenn ein Kind sagt, es wolle den Vater oder die Mutter nicht mehr sehen oder nichts mehr mit ihr/ihm zu tun haben.
Bösartige Verläufe von Eltern-Kind-Entfremdung lassen Kinder über ihren Vater oder ihre Mutter sagen „es wäre mir lieber er wäre tot“, oder „sie soll aus meinem Leben verschwinden“. Für Entfremdung gilt dabei dasselbe wie für Krebserkrankungen: will man sie verhindern, darf man nicht bis zur Therapie warten, sondern muss sich um Prävention und Früherkennung kümmern.
Das KiMiss-Institut und die Universität Tübingen haben ein Instrument zur Früherkennung von induzierter Eltern-Kind-Entfremdung entwickelt, das sogenannte KiMiss-Instrument. Von induzierter Eltern-Kind-Entfremdung spricht man, wenn die Entfremdung eines Elternteils auf die Beeinflussung des Kindes durch den anderen Elternteil zurückgeführt werden kann.
Dieses Instrument bietet Früherkennung auf der Basis der oft subtilen und perfiden Elemente eines leise geführten Beziehungskrieges, in welcher das Kind zur Waffe gemacht wird: wenn das 3-jährige Kind den Anruf des anderen Elternteils erwartet, aber das Telefon ausgesteckt wird; wenn die Wochenenden des 6-jährigen Kindes beim anderen Elternteil durch mannigfaltige Lügen verhindert werden; wenn dem 9-jährigen Kind gesagt wird, dass der andere Elternteil es vor der Geburt „nicht wollte“, usw. Dem KiMiss-Instrument liegt dazu eine Liste von 150 Verhaltensweisen zugrunde, die bei Elternkonflikten zu untersuchen sind.
Warum muss ein Instrument zur Früherkennung von induzierter Eltern-Kind-Entfremdung eine Vorhersage aus dem Verhalten der Eltern ableiten, warum können wir dies nicht direkt am Kind untersucht? Dies hat einen einfachen Grund: hat der Prozess der Entfremdung beim Kind bereits eingesetzt, dann ist oft schon zu spät. Auch ein Instrument zur Früherkennung von Krebs darf nicht erst dann ausschlagen, wenn der Tumor damit begonnen hat, sich seinen Weg zu bahnen.
Das KiMiss-Institut hat viele Elternteile betreut, die von beginnender oder fortschreitender Eltern-Kind-Entfremdung betroffen sind. Einer der häufigsten Sätze dieser Betroffenen ist: „Die sagen alle, sie könnten nichts mehr tun“. Es sei zu spät. Die? Damit waren Familiengerichte, Jugendämter, Beratungsstellen oder Verfahrensbeistände und Sachverständige gemeint.
Viele der Betroffenen sehen ihre Kinder dann über Jahre hinweg nicht mehr. Ihre Weihnachts-Päckchen für die Kinder werden ihnen nach Neujahr ungeöffnet zurückgeschickt und die entsorgten Elternteile denken jeden Tag mehrmals beim Blick auf das Telefon: „vielleicht wendet sich ja das Blatt heute und mein Kind ruft mich an“. Jahre zuvor waren die Anzeichen für Eltern-Kind-Entfremdung schon erkennbar – sie wurden jedoch nicht ernst genommen.
Induzierte Eltern-Kind-Entfremdung zerstört das gemeinsame Leben zwischen einem Kind und seinem Vater oder seiner Mutter. Es handelt sich um eine schwere Form von Kindesmisshandlung und emotionalem Missbrauch mit oft lebenslangen Schädigungen oder Beeinträchtigungen für das Kind. Die auch heute noch weit verbreitete Unterbewertung von emotionalen und psychischen Misshandlungs-Formen stellt in Wirklichkeit eine systematische Leugnung dieser Gewalt gegen Kinder dar.
Es gibt heute viele Menschen, denen durch Krebsvorsorge die Antwort erspart werden konnte: „Wir können nichts mehr tun“. Auch bei Familiengerichten, Jugendämtern und ihren Verfahrensbeteiligten müssen sich Entwicklungen auftun, dass sie Eltern und Kindern diesen Satz nicht mehr sagen müssen. Vor allem müssen wir Eltern-Kind-Entfremdung endlich als das begreifen, was es ist: eine psychische Form der Misshandlung und eine Form von inner-familiärer Gewalt an Kindern.
Früherkennung von Eltern-Kind-Entfremdung ist ebenso möglich, wie in anderen Bereichen der medizinischen Diagnostik – solche Methoden müssen eingesetzt werden, wenn der emotionale Missbrauch von Kindern und die psychischen Formen von häuslicher Gewalt ein Ende haben sollen und wir eine Gesellschaft wollen, in welcher wir uns mit Verantwortung und Wohlwollen für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder einsetzen.
Güte in den Worten erzeugt Vertrauen, Güte beim Denken erzeugt Tiefe, Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.
(Laotse, vermutlich 6. JH v.Chr.)

















